Regulatorik klingt für viele nach Papier, Juristendeutsch und unnötiger Bürokratie. In der Praxis ist sie jedoch einer der entscheidenden Faktoren, wenn es um Investments in Private Equity und Venture Capital geht. Gerade in der Schweiz wird 2026 ein Jahr, in dem viele Marktteilnehmer merken werden, wie stark FIDLEG und FINMA Vorgaben den Vertrieb und die Kommunikation rund um nicht börsenkotierte Anlagen prägen.
Es geht dabei nicht nur um formale Pflichten. Es geht um Vertrauen. Wer Kapital einwirbt oder Investments strukturiert, muss in einem hochsensiblen Umfeld arbeiten. Anleger wollen Transparenz, nachvollziehbare Informationen und einen Prozess, bei dem klar ist, wer welche Verantwortung trägt. Genau hier greift die Regulierung ein. Sie zwingt Anbieter dazu, Standards einzuhalten und schafft damit gleichzeitig die Grundlage für professionelle Strukturen.
FIDLEG bringt vor allem eines: klare Spielregeln im Umgang mit Kunden. Dazu gehören die Themen Kundensegmentierung, Informationspflichten, Angemessenheits und Eignungsprüfung sowie die saubere Dokumentation. Viele unterschätzen, wie stark sich diese Punkte auf den Alltag im Vertrieb auswirken. Ein Gespräch über ein Private Equity Investment ist heute nicht mehr einfach eine Präsentation einer Opportunität. Es ist immer auch ein Prozess, der sauber eingebettet sein muss.
Ein wichtiger Punkt ist die Unterscheidung, an wen sich ein Angebot richtet. In der Schweiz macht es regulatorisch einen grossen Unterschied, ob man professionellen Kunden, institutionellen Investoren oder Privatkunden ein Investment anbietet. Das ist nicht nur eine akademische Kategorie, sondern entscheidet über Pflichten, Unterlagen, Risikoaufklärung und teilweise auch über die Frage, wie ein Angebot überhaupt ausgestaltet werden darf. Wer hier unpräzise arbeitet, setzt sich unnötigen Risiken aus.
Auch die FINMA spielt indirekt eine grosse Rolle, selbst wenn sie nicht jede einzelne Transaktion aktiv begleitet. Viele Vorgaben und Erwartungshaltungen ergeben sich aus der Aufsichtspraxis und aus Rundschreiben, die als Leitplanken wirken. Für Marktteilnehmer bedeutet das: Man muss nicht nur das Gesetz kennen, sondern auch die Praxis verstehen. Gerade im Private Markets Bereich entstehen Fehler selten aus böser Absicht, sondern aus falscher Einordnung. Beispielsweise wenn Kommunikation zu breit gestreut wird, wenn Dokumentationen lückenhaft sind oder wenn Prozesse nicht konsistent durchgeführt werden.
Was 2026 besonders relevant macht, ist die zunehmende Professionalisierung des Marktes. Anleger werden anspruchsvoller, und gleichzeitig steigen die Erwartungen an Anbieter. Wer Private Equity oder Venture Capital Investments vertreibt, muss stärker als früher zeigen, dass er nicht nur Deals kennt, sondern auch Prozesse beherrscht. Das beginnt bei der sauberen KYC Dokumentation und endet bei der klaren, verständlichen Risikoaufklärung.
Ein weiterer Punkt, der in der Praxis immer wichtiger wird, ist die Frage der Dokumentation. Viele Marktteilnehmer haben früher zu wenig Gewicht darauf gelegt, was genau wann wie dokumentiert wird. Heute ist das anders. Wenn es später zu Rückfragen kommt, ist nicht entscheidend, was man subjektiv gemeint hat, sondern was objektiv nachweisbar ist. Eine saubere Aktenlage ist kein Luxus, sondern Schutz.
Auch Marketing und Kommunikation werden 2026 stärker unter die Lupe genommen. Private Markets sind populärer geworden. Viele Anbieter arbeiten mit Content, Veranstaltungen, Newslettern und Social Media. Das ist grundsätzlich sinnvoll, aber es erhöht die Anforderungen. Aussagen müssen präzise sein, Risiko darf nicht verharmlost werden, und Zielgruppen dürfen nicht verschwimmen. Gerade bei illiquiden Investments ist es zentral, dass Erwartungen realistisch gesetzt werden. Wer hier übertreibt, schafft kurzfristig Interesse, aber langfristig Misstrauen.
Für Anleger ist diese Entwicklung positiv. Strengere Standards bedeuten mehr Klarheit. Sie reduzieren den Graubereich, in dem manche Akteure früher operiert haben. Für Anbieter ist es hingegen eine klare Aufforderung zur Disziplin. Prozesse müssen sauber sein, Kommunikation muss stimmig sein und Kundendossiers müssen konsistent geführt werden. Der Aufwand steigt, aber auch die Qualität des Marktes steigt.
Für Ellstone ist Regulatorik deshalb kein notwendiges Übel, sondern ein Teil der Professionalität. Wer Investments in der Schweiz strukturiert und begleitet, muss das regulatorische Umfeld nicht nur respektieren, sondern aktiv in seine Arbeitsweise integrieren. Genau dadurch entstehen Strukturen, die nachhaltig funktionieren. Nicht nur in guten Marktphasen, sondern auch dann, wenn der Gegenwind stärker wird.
Am Ende ist es simpel. Private Equity und Venture Capital sind langfristige Investments. Und wer langfristig arbeitet, muss langfristig sauber arbeiten. FIDLEG und FINMA Vorgaben sind dabei nicht der Gegner, sondern das Fundament für einen Markt, der in der Schweiz weiter wachsen kann, ohne Vertrauen zu verlieren.