Schweizer Softwareunternehmen bleiben attraktive Übernahmeziele. Die für 2025 erfassten Transaktionsdaten zeigen, dass IT-Dienstleistungen und Software 2025 gemeinsam 28 Prozent der erfassten inländischen und ausländischen Käufe von Schweizer KMU ausmachten. Für Ellstone eröffnet diese Entwicklung einen Blick auf die wirtschaftlichen Eigenschaften, die Technologieunternehmen für Private Equity interessant machen. Dabei geht es weniger um eine erstmalige Entdeckung als um eine erneute, selektive Bewertung etablierter Geschäftsmodelle.
2025 wurden insgesamt 59 grenzüberschreitende Übernahmen Schweizer KMU durch ausländische Finanzinvestoren oder deren Beteiligungsunternehmen erfasst, nach 23 im Vorjahr. Besonders stark stiegen ergänzende Zukäufe bestehender Portfoliounternehmen. Diese Zahlen beziehen sich auf mehrere Branchen und dürfen nicht als reine Softwarestatistik gelesen werden.
Die jüngsten Daten bestätigen das Interesse. Die im Oktober 2026 veröffentlichten Marktdaten erfassen für Juli bis September 24 Transaktionen mit Schweizer Zielunternehmen im Software- und IT-Dienstleistungsmarkt. Besonders gefragt waren spezialisierte Branchenlösungen und Anbieter laufender IT-Betriebsleistungen. Neben Schweizer Käufern waren unter anderem Investoren aus Nordamerika, Deutschland und Grossbritannien aktiv. Die Erhebung umfasst sowohl strategische Käufer als auch Finanzinvestoren und ist keine reine Private-Equity-Statistik.
Ein wesentlicher Anziehungspunkt sind wiederkehrende Erlöse. Software, die täglich für Buchhaltung, Produktionsplanung oder branchenspezifische Abläufe gebraucht wird, kann langfristige Kundenbeziehungen unterstützen. Für Käufer ist interessant, ob diese Erlöse tatsächlich verlässlich sind. Die Zahl laufender Verträge allein genügt nicht: Kündigungen, Rabatte und die Kosten der Kundenbetreuung beeinflussen, wie viel wirtschaftlicher Wert erhalten bleibt. Auch ein Abonnementmodell kann schwach sein, wenn neue Kunden teuer gewonnen werden und bestehende Nutzer rasch wieder abspringen.
Spezialisierte Branchenlösungen können darüber hinaus durch ihre Einbindung in betriebliche Abläufe geschützt sein. Ein Austausch erfordert dann etwa Datenmigration, Schulung und die Anpassung von Schnittstellen. Solche Wechselkosten können die Kundenbindung erhöhen. Sie ersetzen jedoch weder Produktqualität noch laufende Weiterentwicklung.
Für Private Equity ergibt sich daraus eine mögliche Wachstumsstrategie. Ein etablierter Anbieter kann sein Produktangebot durch gezielte Zukäufe erweitern oder neue Kundengruppen erreichen. Gemeinsamer Vertrieb und eine breitere technische Basis können Vorteile schaffen. Die Integration bleibt aber anspruchsvoll, wenn Produkte auf unterschiedlichen Architekturen beruhen oder Kunden individuelle Anpassungen benötigen. Ein rechnerisch günstiger Kauf kann deshalb erhebliche Folgekosten auslösen. Entscheidend ist, ob der Käufer die erworbenen Fähigkeiten sinnvoll verbinden kann und zugleich das Wissen wichtiger Mitarbeitender im Unternehmen hält.
Venture Capital konzentriert sich dagegen häufig auf jüngere Anbieter, die ihr Produkt und ihren Markt erst entwickeln. Ein späterer Verkauf an einen Finanzinvestor oder ein bestehendes Portfoliounternehmen kann eine mögliche Anschlussphase sein. Er ist jedoch weder garantiert noch bei jeder Softwarefirma der passende Entwicklungspfad.
Künstliche Intelligenz verändert inzwischen auch die Prüfung etablierter Geschäftsmodelle. Bereits im März 2026 zeigte sich eine wachsende Unsicherheit über die Beständigkeit klassischer Softwareabonnements. Gleichzeitig lagen die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern teilweise auseinander. Für ein Investment ist deshalb relevant, ob neue Werkzeuge die eigene Leistung verbessern oder zentrale Funktionen leichter austauschbar machen. Besonders kritisch wird die Frage dort, wo Kunden bisher hauptsächlich für einzelne, relativ einfach automatisierbare Arbeitsschritte bezahlen. Eigene Datenzugänge, tiefes Branchenwissen und eine verlässliche Einbindung in Kundenprozesse können dagegen weiterhin wirtschaftlich wertvoll sein.
Zu einer belastbaren Bewertung gehören ausserdem die technische Wartbarkeit, Rechte am Programmcode und die Abhängigkeit von einzelnen Grosskunden. Hohe Margen können täuschen, wenn notwendige Entwicklungsarbeiten aufgeschoben wurden. Ebenso muss zwischen echten Produkterlösen und personalintensiven Dienstleistungen unterschieden werden. Beide können attraktiv sein, benötigen aber unterschiedliche Annahmen über Kosten und Wachstum.
Die Schweiz bietet damit Ansatzpunkte für Übernahmen spezialisierter Technologieanbieter. Ellstone ordnet das Interesse an Software als Suche nach verlässlichen Kundenbeziehungen und konkreten Entwicklungsmöglichkeiten ein. Tragfähig wird eine Beteiligung dort, wo Kaufpreis, Produktqualität und künftiger Kapitalbedarf zusammenpassen. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Unternehmen Software verkauft, sondern wie dauerhaft es damit einen nachweisbaren Kundennutzen schafft.